Wer glaubt bei der hohen Scheidungs- und Trennungsrate heute an die Erfüllbarkeit einer glücklichen und vor allem dauerhaft schönen Verbindung zwischen Mann und Frau? Zeigen uns nicht die Bekannten und Freunde um uns herum, wie schwierig es ist, diesen Traum von ewiger inniger Verbundenheit zu verwirklichen? Sich für immer füreinander zu interessieren, sich ewig voneinander angezogen zu fühlen? Warum ist es so schwer, die anfangs in Euphorie und Verliebtheit in Aussicht stehenden harmonischen Zeiten auch in die Tat umzusetzen?
Sehen wir uns doch mal um. Welche glücklichen Paare gab es in der Geschichte? Lassen sich daraus Erkenntnisse herausfiltern, was eine gute Partnerschaft zwischen Mann und Frau ausmacht?
Als erstaunliches und erbauendes Beispiel wäre da die Ehe der als schrulligen „Miss Marple“ weltberühmt gewordenen Margaret Rutherford zu erwähnen. Kaum jemand weiss, dass die hervorragende britische Schauspielerin und „Mr. Stringer“, ihr Assistent in den vier Agatha-Christie-Filmklassikern der Sechziger Jahre, der Schauspieler Stringer Davis, im realen Leben ein Ehepaar waren. Sie lernten sich 1931 im Oxford Playhouse kennen und lieben, heirateten 1945. Diese Liebe hielt bis zu Margarets Tod im Jahre 1972 – mehr als vierzig Jahre lang.
Ihre Zuneigung zueinander konnte man sogar in den Filmen, die sie miteinander gedreht hatten, spüren. Stringer Davis spielte in den Krimis die Rolle eines zuvorkommenden Gentleman und dies dürfte wohl auch seine wahre Natur gewesen sein. Diese harmonische Verbindung war gewiss ein erfolgreiches Ergebnis aus der Mischung gemeinsamer Interessen, nämlich der Schauspielerei, und gegenseitigem hohen Respekt und Verehrung für den jeweils anderen. Nachdem seine Frau gestorben war, hatte Stringer Davis nur mehr kurz die Welt ohne sie ertragen und ist ihr ein Jahr später gefolgt.
Das ist dreissig Jahre her, möge man einwenden. Da waren die Zeiten anders! Die Menschen standen weniger im beruflichen Stress, hatten Zeit füreinander und waren allgemein ruhiger!
Doch auch heute gibt es noch Paare, die es miteinander länger als nur ein paar Monate aushalten. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat seine Frau Teofila im Jahre 1942 geheiratet. In demselben Jahr, in dem seine Eltern in der Vernichtungsanlage Treblinka vergast worden sind. Er ist mit ihr ein Jahr später aus dem Warschauer Ghetto geflohen, hat mit ihr die schlimme Zeit der Judenverfolgung und des damit verbundenen Terrors durchgemacht. Und sie hielten seit jeher zueinander – bis zum heutigen Tage.
Waren es die schlimmen Kriegserlebnisse, die dieses Paar zusammen schweissten? Auch hier haben wohl der gegenseitige Respekt und die Verehrung füreinander nie nachgelassen. In seinem Buch „Mein Leben“ schreibt er im letzten Kapitel über seine Frau ein Zitat von Hofmannsthal: „Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein, dass wir zwei beieinander sein“. Diese Liebe! Und das nach sechzig Jahren!
Was mag das Geheimnis für diese glücklichen Beziehungen zwischen diesen Männern und Frauen sein? Eine für alle geltende Anleitung für das lang anhaltende und glückliche Gelingen einer Partnerschaft gibt es wohl nicht. Doch diese erfreulichen Lebens- und Liebesgeschichten geben Grund zur Hoffnung, dass die Verbindung zweier Menschen unterschiedlichen Geschlechts nicht zwingend scheitern und die Liebe verblassen muss. Das Rezept dazu muss sich aber wohl jedes Paar selbst brauen. Das bedarf aber bestimmt einiges an Feingefühl, Kompromissbereitschaft und vor allem inniger Zuneigung.